Kultur
"Weißes Gold" zum Lobe des Herrn
Von KNA-Mitarbeiterin Gundula Schmidt-Graute Dresden (KNA)
Heilige, Apostel, Marienfiguren, Kreuzigungsszenen oder Weihwasserkessel - weiß schimmernd, bunt bemalt oder vergoldet stehen sie gut ausgeleuchtet hinter Glas. Im Lichthof des Sächsischen Finanzministeriums in Dresden ist noch bis zum 5. Dezember eine Ausstellung mit dem Titel "Das weiße Gold - Sakrale Kunst aus Meißner Porzellan" zu sehen. Die Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen - seit ihrer Gründung durch August den Starken 1710 ein sächsischer Staatsbetrieb - hat sie in Zusammenarbeit mit dem Erzbischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Wien erarbeitet. Dort waren die gut sechzig Exponate von Oktober 2005 bis Januar diesen Jahres bereits gezeigt worden.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Werk Johann Joachim Kaendlers (1706-1775) und seiner Schüler. Nachdem das europäische Hartporzellan in den Jahren 1708/09 in Meißen entwickelt worden war, bestimmte die Ostasienmode zunächst das künstlerische Schaffen in der Porzellanmanufaktur. Im Jahr 1731 trat Kaendler in die Manufaktur ein und prägte ihren Stil 44 Jahre lang bis zu seinem Tod 1775. Er wird auch als "Vater der europäischen Porzellanplastik" bezeichnet. Der Sohn eines protestantischen Pfarrers, der sich für das klassische Altertum begeisterte, ist nicht unbedingt als Meister der Sakralkunst bekannt, doch er schuf viele Heiligengestalten, Marienfiguren und Kreuzigungsszenen, die von katholischer Frömmigkeit inspiriert zu sein scheinen. Sein reifstes Werk ist der Kalvarienberg von 1774, ein Jahr vor seinem Tod entstanden, der als Summe von Kaendlers Schaffen gilt und bereits Merkmale des Klassizismus zeigt.
Gegen die ausdrucksstarken Figuren und detailreichen Szenen aus Spätbarock und Rokoko fallen die meisten Stücke aus dem 19. Jahrhundert künstlerisch stark ab. Ohnehin handelt es sich zu einem Teil um Reproduktionen bekannter Gemälde (etwa der "Zinsgroschen" von Tizian) auf Porzellan. Interessant noch, die beiden "protestantischen" Exponate von Johann Daniel Schöne aus den Jahren 1832/33: schlichte Büsten von Martin Luther und Philipp Melanchton aus Biskuitporzellan, ein Material das nicht glänzt. Aus der Epoche des Jugendstils sind drei Leuchter mit den Köpfen der Heiligen drei Könige von Erich Kleinhempel aus dem Jahr 1903 vertreten.
Die klassische Moderne wird unter anderem von Ernst Barlach (1870-1938), der 1924 einen Gottvater aus gestaltete, Gerhard Marcks (1889-1981) mit einem Grabengel von 1920 ebenfalls aus Rotem Feinsteinzeug repräsentiert. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg nutzen Künstler Meißner Porzellan für die Gestaltung von Kirchen oder Kapellen in katholischen Einrichtungen. Der bekannteste ist sicher der Dresdner Bildhauer Friedrich Press (1904-1990), der unter anderem die Pietá in der Dresdner Kathedrale Ss. Trinitatis gestaltete, die größte Plastik, die je aus Meißner Porzellan geschaffen wurde. Press schuf aber auch Figurinen wie den Diakon oder den verlorenen Sohn und gestaltete Kirchen in verschiedenen Städten mit Skulpturen aus Meißner Porzellan oder Böttgersteinzeug (rotbraunes Steinzeug aus der Meißner Manufaktur) aus.
Zwischen den Vitrinen hängen Texttafeln, die nicht nur über Kaendler oder die Porzellanmanufaktur, sondern auch über die dargestellten Heiligen informieren. So kann auch der religiös weniger gebildete Betrachter die Stücke würdigen. Die Ausstellung ist vom 13. November bis 5. Dezember 2006 geöffnet. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9 - 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
KNA, November 2006